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Ein Ort der Hoffnung im ANKER-Zentrum

Besuch im ANKER-Zentrum
Datum:
Veröffentlicht: 2.10.25
Von:
Harry Luck

Erzbischof Gössl übergibt gemeinsam mit Domkapitular Emge das Schild „Ort der Hoffnung“ an die Caritas-Eltern-Kind-Gruppe

Bamberg. Auch in einer Flüchtlingsunterkunft kann Hoffnung wachsen. Das machte Erzbischof Gössl bei seinem Besuch im Bamberger ANKER-Zentrum deutlich. Gemeinsam mit Domkapitular Emge übergab er der Caritas-Eltern-Kind-Gruppe das Schild, das im Rahmen des von Papst Franziskus ausgerufenen Heiligen Jahres überall im Erzbistum „Orte der Hoffnung“ markiert.
Besuch im ANKER-Zentrum

Bamberg. Auch in einer Flüchtlingsunterkunft kann Hoffnung wachsen. Das machte Erzbischof Herwig Gössl bei seinem Besuch im Bamberger ANKER-Zentrum deutlich. Gemeinsam mit Domkapitular Martin Emge übergab er der Caritas-Eltern-Kind-Gruppe das Schild, das im Rahmen des von Papst Franziskus ausgerufenen Heiligen Jahres überall im Erzbistum „Orte der Hoffnung“ markiert.

Im ANKER-Zentrum leben derzeit rund 1500 Menschen, darunter etwa 400 Kinder und Jugendliche. Für die Kleinsten gibt es die Eltern-Kind-Gruppe der Caritas, die 12 Kinder aufnehmen darf – 30 weitere stehen bereits auf der Warteliste. Täglich werden die Kinder vier Stunden lang auf den Besuch einer Regel-Kita vorbereitet, um den Übergang in den Alltag zu erleichtern. Einmal im Monat unternehmen sie einen Ausflug in die Stadt, sei es eine Domführung, ein Museumsbesuch, eine Schifffahrt auf der Regnitz oder ein gemeinsames Eisessen.

Doch der Weg in die Gesellschaft ist nicht immer leicht. „Es war nicht einfach, ein Café oder eine Eisdiele zu finden, wo wir willkommen waren“, berichteten die Betreuerinnen. „Bei einigen wurde uns deutlich gezeigt, dass wir nicht erwünscht sind.“ Anfeindungen und Beschimpfungen auf der Straße seien nicht selten. „Aber wir nehmen das sportlich und gehen einfach weiter.“

Die Dankbarkeit der Mütter ist groß, doch die Sorgen ebenso. „Ich bin froh, dass wir hier in Sicherheit sind. Wenn die Kinder glücklich sind, sind wir auch glücklich“, sagte eine von ihnen. Eine andere erklärte: „Ich hatte selbst in Syrien keine Bildung und konnte keine Schule besuchen. Ich will, dass es meinen Kindern besser geht.“

Viele Familien stammen aus Syrien oder Afghanistan. „In Syrien herrscht immer noch Chaos. Ein Schulbesuch ist nicht möglich“, berichtete eine Mutter. Eine Afghanin ergänzte: „Ich bin geflohen, damit meine Tochter etwas lernen und eine Ausbildung machen kann.“

Gleichzeitig belasten die unsicheren Perspektiven viele stark. Eines Tages kam ein Kind morgens nicht in die Gruppe, wenig später schrieb die Mutter, sie seien nachts abgeholt und nach Georgien abgeschoben worden. „Das hat die anderen Kinder sehr belastet“, so die Betreuerinnen.

Erzbischof Gössl machte bei seinem Besuch deutlich: „Als Kirche wollen wir dazu beitragen, den Kindern eine gute Zukunft zu geben. Wir müssen in allen politischen Debatten auch immer das Schicksal der einzelnen Menschen sehen und ihre Bedürfnisse auf allen Ebenen einbringen. Es muss klar sein, dass wir in unserer Gesellschaft Menschen brauchen, die von woanders herkommen. Dafür möchte ich mich weiter einsetzen.“ Zugleich betonte er, dass die Kirche sich für das Recht auf Asyl starkmache: „Natürlich können wir nicht alle aufnehmen. Aber wir dürfen das Leid der Menschen nicht übersehen.“

Im Anschluss traf sich der Erzbischof mit dem Leitungsteam des ANKER-Zentrums, Carmen Lehner und Markus Oesterlein. Dieser dankte der Caritas für ihr Engagement: „Wir sind uns mit Politik, Kirche und Wohlfahrtsverbänden einig, dass bei der Unterbringung und Versorgung der Asylsuchenden der Mensch im Mittelpunkt stehen muss und dass es den Menschen, die hier leben, gut gehen soll.“ Er fügte hinzu: „Wir sind froh und dankbar, dass wir mit der Caritas einen starken Partner hier in der Einrichtung haben.“

Peter Ehmann, Vorstand des Caritasregionalverbandes Bamberg-Forchheim, unterstrich die Notwendigkeit früher Förderung: „Eine kindgerechte Unterbringung und frühkindliche Bildung müssen schon zu Beginn des Aufenthaltes möglich sein, nicht erst Monate später. Familien mit Kindern sollten bei der Umverteilung priorisiert werden.“ Er wies darauf hin, dass Kinder auf der Flucht oft am stärksten unter Entwurzelung leiden und professionelle Hilfe zur Verarbeitung ihrer Traumata benötigen.

Der Besuch fand im Rahmen der bundesweiten Woche der katholischen Flüchtlingshilfe statt. Die Erzdiözese Bamberg unterstützt nicht nur Geflüchtete vor Ort, sondern auch kirchliche Organisationen im Globalen Süden und in Osteuropa. Seit Beginn des russischen Angriffskriegs ist die Ukraine ein Schwerpunktland. Die Zahl der Klienten aus der Ukraine in der Migrationsberatung der Caritas stieg von rund 500 im Jahr 2022 auf etwa 1400 im Jahr 2024. Zur Linderung der Kriegsfolgen stellte die Erzdiözese seit 2022 rund 900.000 Euro aus Kirchensteuermitteln zur Verfügung – etwa für Unterkünfte, Lebensmittel, Therapien für Kriegsveteranen und deren Familien, Erholungsmaßnahmen für Kinder und Wiederaufbauprojekte. Daneben wurden auch Projekte im Libanon, in der Demokratischen Republik Kongo und im Südsudan unterstützt.

Mit dem Schild „Ort der Hoffnung“ gibt es nun auch im Bamberger ANKER-Zentrum einen Platz, der Mut machen soll. Für die Kinder und ihre Familien ist es ein Symbol dafür, dass ihre Stimmen gehört werden und dass es auch auf der Flucht Perspektiven und Hoffnung geben kann.

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