Erzbischof Gössl: „Kriege sind eine Schande für die Menschheit“

Predigt am Karfreitag: „Das Kreuz Christi hat die Macht des Todes gebrochen“

Bamberg. Erzbischof Herwig Gössl hat am Karfreitag vor einer „Kultur des Todes“ gewarnt und Kriege als eine „Schande für die Menschheit“ bezeichnet. Dieser Entwicklung stellte er in seiner Predigt im Bamberger Dom die christliche Hoffnung entgegen, die am Kreuz Jesu sichtbar werde.
Die Kreuzigung Jesu sei eine grausame Hinrichtung, routiniert vollstreckt in einem selbstverständlich ablaufenden Ritual. Die Henkersarbeit wirke wie ein eingeübtes Handwerk, so wie die Todesstrafe auch heute in vielen Ländern immer noch üblich sei oder sogar wieder eingeführt werde. „Wir waren uns lange sicher, dass die Menschheit aus den großen Kriegen des 20. Jahrhunderts gelernt hat und den Frieden auf jeden Fall bewahren wird“, sagte Gössl. „Heute werden munter Kriege vom Zaun gebrochen, Menschen werden massenhaft, oft von der eigenen Regierung, verfolgt und gezielt umgebracht, um die eigene Macht, das eigene Überleben zu sichern.“ Auf der Welt sei so vieles wieder denkbar und möglich geworden, dass man diese Welt oft nicht mehr verstehe.
Der Tod sei nicht nur eine existentielle Bedrohung, sondern werde zunehmend bewusst in Kauf genommen. „Noch schlimmer ist freilich, wenn der Tod gezielt herbeigeführt wird, wenn er kühl berechnend zu einer ernsthaften Handlungsoption gemacht wird.“ Bereits Papst Johannes Paul II. habe vor einer Kultur des Todes gewarnt.
Zugleich kritisierte Gössl die Vorstellung, Probleme ließen sich durch Gewalt lösen. „Vor allem scheint der Tod unseren Geist zu beherrschen durch die Vorstellung, mit dem Tod sei alles aus – und davon abgeleitet durch die irrige Meinung, durch den Tod eines anderen ließen sich irgendwelche Probleme aus der Welt schaffen.“
Das Kreuz Christi habe die Macht des Todes gebrochen. „Seit der Sohn Gottes am Kreuz den Tod auf sich nahm, kann niemand mehr durch den Tod zum Schweigen gebracht werden.“ Dies gelte insbesondere für Opfer von Gewalt: „Nicht die unschuldigen Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft, von Mord und Totschlag, nicht all die Menschen, die verbittert und unversöhnt sterben. In Gott sind alle Menschen aufgehoben.“
Das Kreuz sei deshalb nicht nur ein Symbol des Leidens, sondern der Hoffnung. „Daher schauen wir auf das Kreuz und erkennen in ihm nicht das Ende, sondern den immer wieder neuen Anfang.“ Im Kreuz werde deutlich, dass in Gott kein Mensch jemals vergessen oder verloren sei: „Im Kreuz ist Heil, im Kreuz ist Leben, im Kreuz ist Hoffnung.“
