Gedanken zum November von Pfarrer Richard F. Reis

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Kinder und Jugendlichen.
Herbst - November! Eine triste Jahreszeit, ein trister und grauer Monat.
Nicht nur, weil die Blätter fallen und die Natur sich "schlafen legt", sondern auch, weil wir in dieser Zeit viel Gewalt, Terror, Zerstörung und Krieg erfahren. Ganz deutlich sehen wir, dass Gewalt immer Gegengewalt erzeugt, obwohl die Menschheit ja eigentlich weiß, dass es in einem Krieg nur Opfer gibt. Opfer, die verwundet werden an Seele und Leib, Opfer, die ihr Leben lassen müssen inmitten kriegerischer Auseinandersetzungen.
Inmitten menschlichen Desastern, Sterben und Tod, mag der eine oder die andere eher zur Verzweiflung neigen und nicht wenige tun sich schwer - gerade in Glaubensdingen.
Vielleicht tut es gerade deshalb gut, inmitten von Kriegen, Durcheinander, Zerstörung, Leid und Tod uns den bischöflichen Wahlspruch unseres Hwst. H. Erzbischof em. Dr. Karl Braun vor die Augen unserer Herzen zu stellen: "SIE WERDEN AUF DEN BLICKEN, DEN SIE DURCHBOHRT HABEN." [Joh 19, 37]
Wenn wir diesen Worten der Hl. Schrift folgen, bekommen wir mehr Klarheit: Zwar bleiben Kriege, Leiden und Sterben - aber im Blick auf JESUS CHRISTUS, dem Sohn Gottes und Erlöser am Kreuz wird deutlich, dass Gott auch Leiden kennt und erträgt, dass Gott nicht am Leid dieser Welt und auch nicht an unserem persönlichen Leid vorbeigeht, denn ER hat es ja selbst erlebt in Seinem Sohn!
Jesus Christus sirbt am Kreuz. Im Sterben umarmt Christus diese Welt. Er umarmt uns alle! Chrisi Kreuz steht auf der Erde und ragt in den Himmel. Es verbindet Himmel und Erde, Gott und Menschen.
Maria, die Frauen und die Apostel werden allerdings überrascht: am Ostermorgen erfahren sie, dass "Jesus Christus die Ketten des Todes zerbrochen hat und aus der Tiefe als Sieger empor gestiegen ist" - wie es in der Osternachtsliturgie feierlich verkündet wird. Am Herrn, der am Kreuz erhöht ist, erkennen wir den Weg Gottes - und damit den Weg, der auch uns durch die Wiege der Taufe gezeigt wurde: durch das Leiden und Sterben in dieser Welt - durch die Erlösungstat Jesu Christi aufgerichtet und in Seine ewige Wirklichkeit hinauf gezogen zu werden - durch eben diese Hände, mit denen der Herr am Kreuz die Welt umarmt hat.
Schauen wir auf den Herrn. Schauen wir auf Seine unendliche göttliche Liebe, die vor nichts und niemand halt macht, weil sie - wie Gott - unendlich ist und alles an sich zieht und ziehen will.
Wenn wir - gerade zum Hochfest Allerheiligen und am Gedenktag Allerseelen - unserer Verstorbenen gedenken, tun wir das heuer besonders im Glauben an die Auferstehung und im vertrauensvollen Schauen auf JESUS CHRISTUS, dem Sohn Gottes, unserem Heiland und Erlöser.
Durch Jesus Christus geht es für den glaubenden und vertrauenden Menschen immer weiter: durch das Grau und die Tristigkeit dieser vergänglichen Welt - ins ewige, österliche Licht des Lebendigen Gottes.
Euch und Ihnen einen gesegneten November.
Pfarrer Richard F. Reis, Kurat