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Krankensalbung - Gottes Liebe und Zuwendung

Pfarrer Anton Heinz
Datum:
Veröffentlicht: 17.5.25
Die Krankensalbung ist ein Sakrament der Stärkung und Heilung – nicht nur für Sterbende. Sie soll kranken, alten oder geschwächten Menschen Kraft, Trost und Gottes Nähe spenden. Das Sakrament kann mehrfach empfangen werden, z. B. bei einer Verschlechterung des Gesundheitszustands oder vor einer Operation. Es geht um Ermutigung und inneren Frieden, nicht um einen „letzten Akt“. Die Krankensalbung verdient mehr Aufmerksamkeit als Zeichen der christlichen Liebe zu den Kranken.

Liebe Brüder und Schwestern des Seelsorgebereichs,

ich bin nun schon das 6. Jahr hier tätig als Pfarrvikar zu 50% und als Klinikseelsorger im Klinikum Kronach 50%. In meinem Beitrag für das Pfarrblatt habe ich mich für ein Thema entschieden, das mir sehr wichtig erscheint. Obwohl fast jeder weiß, was das Sakrament der Krankensalbung ist, beim näheren Betrachten und genaueren Hinschauen sind doch für viele Fragen offen und man weiß nicht so richtig, wie man damit umgehen soll.

Die Krankensalbung ist eines der sieben Sakramente. Es ist ein Kranken- und Heilsakrament und nicht, wie häufig vermutet ein "Sterbesakrament". Nicht das "Sakrament der Letzten Ölung", wie man die Krankensalbung in der Vergangenheit volkstümlich auch genannt hat. Es will heilen und stärken. In der Bibel lesen wir: "Die Zwölf machten sich auf den Weg ... und salbten viele Kranke mit Öl und heilten sie." (Markus 6, 12-13). Das Öl ist dabei ein uraltes Symbol für die Kraft, die von Gott kommt. Mit Öl salbte man im alten Israel Könige und Priester und bei den Griechen und Römern die Ring-kämpfer. Könige, Priester, Ringkämpfer ... sollen nicht auch kranke Menschen wieder ihre königliche Würde, die sie als Söhne und Töchter Gottes haben, neu entdecken, ihre schwierige Situation "priesterlich" auf Gott hin öffnen und sich so zu neuer Hoffnung "durchringen"? Was schon zur Zeit der Apostel geschah, tut die Gemeinschaft der Kirche bis heute.

Christliche Liebe zu den Kranken verwirklicht sich auf vielfältige Weise, von charismatischen Heilungen durch besonders begnadete Menschen bis zur medizinischen Behandlung in kirchlichen Spitälern und Ambulanzen, vom schlichten Krankenbesuch bis zur organisierten Hauskrankenpflege, vom Gebet für die Kranken bis zum Bringen der hl. Kommunion ans Krankenbett. Die Liebe zu den Kranken gehört zum Kern des Evangeliums. Ein besonders deutliches Zeichen dafür ist bis heute das Sakrament der Krankensalbung.

Leider wird die Krankensalbung manchmal nur als "letzte Ölung", die noch schnell vor dem Tod gespendet wird, gesehen. Aber das ist eine Verkürzung ihres Sinnes. Dieses Sakrament soll ja Menschen in ernster Krankheit stärken – und wenn Gott es will – auch körperlich wieder aufrichten. "Daher ist der rechte Augenblick sicher schon gegeben, wenn der Gläubige beginnt, wegen Krankheit oder Altersschwäche in Lebensgefahr zu geraten", erklärt das letzte Konzil (SC 73). Und der Katechismus der katholischen Kirche ergänzt und führt aus: "Wenn ein Kranker ... wieder gesund wird, kann er, falls er wiederum schwer erkrankt, dieses Sakrament von Neuem empfangen“. Im Laufe der Krankheit darf dieses Sakrament wiederholt werden, wenn der Zustand sich verschlimmert. Es ist angebracht, die Krankensalbung zu empfangen, wenn man vor einer schweren Operation steht.

„Das gleiche gilt für Betagte, deren Kräfte zu versagen beginnen." (KKK 1515) Sollten wir diesem Sakrament, in dem Gottes Liebe zu den Kranken so "hautnah" gespürt werden kann, nicht wieder mehr Aufmerksamkeit schenken? Die Erfahrung zeigt, dass unglaublich viel Kraft und Frieden von ihm ausgeht. Es hat unzählige Menschen ermutigt und aufgerichtet, unzählige auch gestärkt auf ihrem letzten Weg zu Gott.

Ich wünsche Allen Gesundheit an Leib und Seele und Gottes Segen!

Pfarrer Anton Heinz
Pfarrvikar SSB Frankenwald und Klinikseelsorger Kronach